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Der "Drückerkönig" und die Medien

Ein Schattenmann ist er nicht: Carsten Maschmeyer, millionenschwerer Freund von Bundespräsident Christian Wulff und Altbundeskanzler Gerhard Schröder. Nein, "Maschi", wie ihn Insider aus der Finanzbranche nennen, sonnt sich gerne im Licht der Medien - wenn sie ihn als erfolgreichen Selfmade-Millionär oder spendablen Gutmenschen präsentieren.

"Milliarden-Magier" Maschmeyer vor AWD-Vertriebsleuten:
Szenenfoto aus der ZDF-Doku "Nur der Chef sahnt ab".

Aber wehe den Journalisten, die ihn kritisch an seine Vergangenheit beim Allgemeinen Wirtschaftsdienst (AWD) erinnern. Ihnen drohen die Folterwerkzeuge des Zivilrechts - Unterlassungserklärungen und Einstweilige Verfügungen. Christoph Lütgert hat es erfahren. Der mittlerweile pensionierte TV-Journalist produzierte gemeinsam mit Reportern des NDR-Magazins Panorama den Film „Der Drückerkönig und die Politik“ aus der Reihe ARD-Exklusiv.

Vor der Ausstrahlung am 12. Januar 2011 hat Maschmeyers Anwalt Matthias Prinz versucht, massiven Druck auf den NDR auszuüben. Der Prominentenanwalt faxte ein 61-seitiges Konvolut an alle neun ARD-Intendanten, in dem eindringlich vor Lütgerts Film gewarnt wird. "Für mich ist das eine neue Qualität der Auseinandersetzung und nach meiner Kenntnis einmalig", sagte NDR-Justitiar Klaus Siekmann im Spiegel. Das allerdings stimmt nicht ganz.

Fast ebensoviel Papier aus der einschlägig bekannten Hamburger Anwaltskanzlei sammelte sich bereits 17 Jahre zuvor beim ZDF in Mainz. Der Sender plante im Januar 1994 die Dokumentation "Nur der Chef sahnt ab" aus der Reihe Zündstoff, in der gezeigt werden sollte, wie dubiose Vertriebsfirmen Geld machen. Der Münchner Journalist und Filmemacher Reinhold Rühl hatte monatelang bei ehemaligen Mitarbeitern des AWD und anderer Vertriebsfirmen recherchiert. Das ZDF-Team drehte auf einer Veranstaltung des AWD, führte mit Maschmeyer ein ausführliches Interview. Doch die kritische Haltung des Reporters verstörte anscheinend den Motivationsguru.

Kettengerassel aus Hannover

Kurz vor der Ausstrahlung wurden die Hamburger Anwälte nicht nur beim ZDF vorstellig, sie schrieben auch an die Privatadresse des Autors. „Rein vorsorglich“ hatte Maschmeyers Anwalt, „für den Fall, dass Sie Ihrer journalistischen Sorgfaltspflicht nicht nachkommen wollen“, eine Stellungnahme des AWD angefügt. Darin wurde auf den Pressetext der „beabsichtigten Sendung“ Bezug genommen und gemutmaßt, „in welchem Bereich voraussichtlich unwahre Tatsachenbehauptungen erfolgen werden“.

Der damalige ZDF-Chefredakteur Klaus Bresser ließ sich von der Papierflut aus Hamburg und Hannover nicht beeindrucken: Der Film wurde wie geplant am 5. Januar 1994 um 22:15 Uhr gesendet und bescherte dem ZDF einen in diesem Genre selten erreichten Marktanteil von über 20 Prozent. Hunderte von Zuschriften bestätigten nach der Sendung die Aussagen im Film. Nicht zuletzt deshalb ist das Kettengerassel aus Hannover schnell verklungen. Der angekündigte Klageweg wurde weder vom AWD, noch von anderen im Film dargestellten Firmen beschritten.

"Die Sache stinkt zum Himmel"

Weniger Glück hatte kurz danach der Hamburger Verleger Andreas Matern. Zusammen mit der AWD-Aussteigerin Maria Marschner-Martin schrieb er ein Enthüllungsbuch unter dem Titel „Der Milliarden-Magier mit dem Midas-Touch“. Erst schickten die AWD-Anwälte eine 40-seitige Unterlassungserklärung, dann machte die ehemalige AWD-Vertreterin nach einem Gespräch mit dem damaligen AWD-Geschäftsführer Kai Lange plötzlich eine Kehrtwende und distanzierte sich von ihrem eigenen Werk. „Die Sache stinkt zum Himmel“, sagte der durch das anwaltliche Trommelfeuer sichtlich angeschlagene Matern in einem Interview. Entnervt zog sein WWA-Verlag das Buch im August 1994 vom Markt zurück. Die vorher in den Buchhandel gelangten Exemplare sind heute gesuchte Sammlerstücke.




Schnell wieder vom Markt verschwunden: Maschmeyer-Enthüllungsbuch

Der im urspünglichen Titel angedeutete "Midas-Touch" ging im Zuge der Streitigkeiten abhanden. Die Mär ist ohnehin nicht jedem Leser bekannt: Der Herrscher von Phrygien in der heutigen Türkei, soll unglaublich reich gewesen sein. Allerdings trug er, wie die Sage erzählt, unter seiner Mütze Eselsohren, die ihm von den Göttern wegen Unbotmäßigkeit lang gezogen wurden. Nur sein Barbier wusste davon. Dieser wollte sein Geheimnis zwar keinem Menschen verraten, konnte es aber auch nicht ganz für sich behalten. Deshalb grub er am Flussufer ein Loch und rief dreimal hinein: „König Midas hat Eselsohren!“ Doch die Binsen hörten mit und trugen es mit dem Wind weiter – bis es alle Welt wusste.

An kritischen Berichte über den Hannoveraner Midas mangelt es zwar nicht, wohl aber an Spitzenpolitikern, die daraus die richtigen Konsequenzen ziehen, meint der Dokumacher. Mehr über die Niedersachsen-Connection lesen Sie hier ►

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