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MEG-Firmenchef Mehmet E. Göker (2. v. rechts) auf einem Firmenevent.
Foto: sternfilm / Ulf Schaumlöffel.
Welch ein Zufall! Vor einer Minute klingelte das Telefon. "Den Geschäftsinhaber" wollte die Frau am anderen Ende der Leitung sprechen. Ja, der bin ich. Worum es denn geht? "Wir von der DKV möchten Sie über die private Krankenversicherung informieren". Der aufdringlichen Dame gab ich sofort den Tipp, sie solle sich den Film "Versicherungsvertreter" anschauen. Der zeige, mit welch üblen Methoden Menschen wie sie arbeiten. Klar, in der nächsten Sekunde ertönte das Besetztzeichen.
Dem Dokumentarfilmer Klaus Stern ist es gelungen, Aufstieg und Niedergang einer Firma mit der Kamera zu begleiten, die per Telefon und an der Haustür solche Versicherungsverträge an den Mann oder die Frau brachte. Das ist bemerkenswert. Denn authentische Filmaufnahmen aus der Drückerbranche sind etwa so selten, wie Kamerabilder aus einer französischen Wiederaufarbeitungsanlage für Kernbrennstoffe.
Fanpage bei Facebook
Auf dem 27. Internationalen Dokumentarfilmfestival München plauderte der aus Kassel stammende Dokumacher über die Dreharbeiten. Es war im Jahr 2006, als ihm ein Freund den Tipp gab, dass ein Mann namens Mehmet E. Göker mit seltsamen Events in Kassel Aufsehen erregte. Stern, der ein Faible für Menschen mit einem Hang zum Größenwahn hat, drehte bald auf den Jubelpartys des türkischen Firmenchefs, bei denen der Champagner in Strömen floss. Stern war dabei, als der hyperaktive Bodybuilder seine Jünger auf Linie brachte, filmte bei Ausflügen mit der Ferrari-Flotte und schließlich am Pool einer Ferienanlage in der Türkei, wo der Motivationsguru nach dem Zusammenbruch seiner Firma im selbstgewählten Exil lebt und schon mal Schweinswürstchen von Lidl grillt.
Göker hat bei den Dreharbeiten fleißig mitgespielt - ganz im Gegensatz zu seinen Branchenkollegen aus den vielen hundert sogenannten Strukturvertrieben, die in Deutschland Finanzprodukte, Kosmetika oder Putzmittel mit ähnlichen Methoden verkaufen. Kritische Filmemacher erhalten dort stets Drehverbot oder werden bereits bei der Recherche mit anwaltlichen Schreiben eingedeckt. Die Firmenchefs wissen, warum.
Hund san's scho!
Göker ist nicht dümmer als Carsten Maschmeyer, der es zu Ruhm und Ehre in der Drückerbranche gebracht hat und sich seit Jahren durch eine Armada von Anwälten gegen unliebsame Journalisten abschirmen lässt. Vielleicht hatte sich Göker auf dem Höhepunkt seiner Firmenkarriere einen anderen, einen Werbefilm versprochen. Dennoch findet er sich in "Versicherungsvertreter" bestens dargestellt, besuchte sogar die Filmpremiere in Kassel. Bei Facebook hat der Drückerkönig eine Fanpage eingerichtet: "Mehmet E. Göker - Der Film". Sein Motto: "Träume nicht dein Leben, lebe deinen Traum". 1.091 Besuchern gefällt das bisher.
"Hund san's scho", sagt man dazu in Bayern. Gemeint ist ist die klammheimliche Bewunderung für Menschen, die andere erfolgreich über den Tisch ziehen.
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