Kameramann bei Umzug 2 Kamerateam in Praerie Kameramann Zakynthos-Strand Airbus Kamerateam Kameramann Karibik Konsul Weyer ZDF-Kamerateam Kamerafrau Polizeiauto Reinhold Ruehl auf dem Gokyo Peak Kamerateam Hongkong

 

Foto: NDR STRG-F

Schnöde Realität gewinnt keinen Filmpreis

Eine junge Filmemacherin, der soeben in ihrer Doku "Lovemobil" eine Fälschung nachgewiesen wurde beruft sich auf den Altmeister Werner Herzog, dem cinéma vérité angeblich ein Graus war. Es besteht allerdings ein gewaltiger Unterschied zwischen der „ekstatischen Wahrheit“ eines Werner Herzog und einer auf Filmfestivals gehypten Dokusoap über angebliche Prostituierte. Werner Herzog hat in seinen vielen Dokumentarfilmen niemals Protagonisten erfunden. Er hat sie vielleicht zu Aktionen bewegt, die sie normalerweise nicht gemacht hätten. In „Begegnungen am Ende der Welt" legt zum Beispiel ein Antarktisforscher sein Ohr aufs Eis, um die Stimmen des Ozeans darunter hören. Ein Trick, um die wunderbare Filmmusik bei den Unterwasseraufnahmen einzuleiten. Herzog hätte kaum auf einem norddeutschen Straßenstrich ein von ihm gemietetes Wohnmobil postiert und mit gecasteten Darstellern eine „authentische" Dokumentation inszeniert.

Jeder, der sich mit dokumentarischer Arbeit auskennt, wird bestätigen, daß es einige Bereiche in unserer Gesellschaft gibt, in denen authentische Dialoge am Drehort ohne Verpixelung so gut wie nie zu bekommen sind. Dazu zählen Wirtschaftskriminalität und – eben – die Sexbranche. Wenn dann noch die filmischen Anschlüsse stimmen, das Licht perfekt gesetzt ist und die Dialoge „so richtig authentisch“ klingen, dann spätestens müssten bei dem verantwortlichen Redakteur die Alarmglocken klingen. Daß dies beim NDR nicht der Fall war, ist auch eine Folge der Tatsache, daß dokumentarisch arbeitende Filmemacher mit der bloßen Realität heute keinen Grimmepreis mehr gewinnen.

Auch ich habe in meinen langen Jahren als Fernsehreporter und Autor manchmal neidisch auf die fiktional arbeitenden Kollegen geblickt. Mit den passenden Dialogen und überzeugenden Darstellern hätte man manche aufwendig recherchierte komplexe Geschichte besser aufbereiten können. Ein no go für Dokumentarfilmer. Fälschen, das hat uns Relotius gezeigt, können Journalisten ohnehin nur auf Schauplätzen, die entweder im Ausland liegen, in einer Grauzone oder bei sozialen Randgruppen angesiedelt sind. Letztere können oder wollen sich kaum wehren. Bei den Anderen scheitert meist eine Nachrecherche. Chapeaux auf die jungen Kollegen von STRG_F, denen jetzt die Aufdeckung dieser Lovemobil-Fälschung gelungen ist.

 

 

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