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Heilsame Geschäfte

Ein Urteil des Verfassungsgerichtes hat in der Branche der Handaufleger zu einem Boom geführt. Gerade Schwerkranke hoffen auf paramedizinische Hilfe - und landen oft bei Quacksalbern.

Von Reinhold Rühl 

Beate Stürzenbach* atmet leise, sie versucht es jedenfalls. Die Frau leidet unter Asthma. Blütenpollen quälen sie seit Jahren und verursachen besonders im Frühjahr schwere Allergien. Seit einer halben Stunde ruht die 45-Jährige ganz entspannt mit geschlossenen Augen auf einer Liege, und Wilfried Lubberich versucht, sie von ihrem Leiden zu befreien - allein mit Hilfe seiner Hände.

Im Abstand von 20 Zentimeter lässt er sie über seiner Klientin schweben. Über der Brust, dem Kopf, den Schultern. Berühren muss er die Kranke nicht, denn Lubberich ist davon überzeugt, dass die ,,heilende Energie'' auch so fließt. Meditative Stille erfüllt den spärlich eingerichteten Raum. An der Wand hängen fernöstliche Kalligraphien, neben der Liege flackert eine Kerze, ein Bronzekreuz ziert das Sideboard. ,,Ich verbinde mich energetisch mit meinen Patienten'', sagt Lubberich nach der Behandlung, die insgesamt eine knappe Stunde dauert.

"Übersinnliche Kräfte"

Er nehme Kontakt auf zur ,,geistigen Welt'', die ihn bei seiner Arbeit unterstütze. Wie das funktionieren soll, kann der 55-Jährige nur vage umschreiben: ,,Wer heilt, befindet sich in einem Bewusstseinszustand, in dem sich der Geist ganz und gar auf die Absicht ausrichtet, einem Mitmenschen zu helfen.''

Das versuchen in Deutschland immer mehr Anbieter paramedizinischer Heil-verfahren. Genaue Zahlen gibt es nicht, denn viele haben ihre ,,Praxis'' in einer Ecke des heimischen Wohnzimmers. Der Dachverband Geistiges Heilen (DGH) in Heidelberg zählt 3500 Einzelmitglieder. Mit 19 Mitgliedsvereinen vertritt der Verband 5000 Heilerinnen und Heiler mit verschiedensten Heilweisen und Weltanschauungen. DGH-Gründer Harald Wiesendanger rechnet vor, dass die etwa 10.000 Heiler im deutschsprachigen Raum pro Jahr 90 bis 120 Millionen ,,geistige Heilsitzungen'' absolvieren.

*) Name geändert

Süddeutsche Zeitung am 12.05.2007 (Auszug)

dokumacher
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