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Ein "Richter" provoziert Kollegen

Vor dem Münchner Justizzentrum ist die Weltpresse versammelt. Dutzende von Fernsehteams, Fotografen, Mikrofone. Einige Hundert Demonstranten, bewacht von – gefühlt – ebenso vielen Polizisten. Drinnen im Hochsicherheitsbereich des Gerichtes wird in wenigen Minuten das Urteil gegen Beate Zschäpe und die NSU-Mörderbande gefällt. Ein Richter kommt anscheinend zu spät zur Urteilsverkündung. In schwarzer Robe und mit einem dicken Gesetzbuch unter dem Arm drängelt er sich durch die vielen Demonstranten.

Doch der "Richter" ist kein Richter. Es ist der Aktionskünstler Günter Wangerin, der in seiner rechten Hand ein DIN-A-4-Blatt hochhält. "Die Parole heißt Einzeltäter" ist darauf zu lesen. Damit will Wangerin gegen die Verharmlosung neofaschistischer Gruppen demonstrieren, die von der Justiz, so befürchtet es Wangerin, als kriminelle Ausnahmeerscheinung eingeordnet würden. Die Einzeltäter-Theorie habe Tradition in Bayern, sagt Wangerin mit Anspielung auf das Oktoberfest-Attentat von 1980.

Dr. Günter Wangerin, 73, von Beruf Arzt, ist seit 1969 auch künstlerisch tätig. Als Maler und mit seinen provokanten Aktionen will er politisch wirksame Kunst machen. Er hat Erfahrung mit der Justiz, vor allem in Bayern. Staatsanwaltschaften und Gerichte versuchten "hartnäckig diesen Bereich der Bildenden Kunst zu kriminalisieren", schreibt eine Kunstzeitschrift über den Aktionskünstler. Zuletzt provozierte Wangerin bei der Ernennung von 400 jungen Soldaten zu Offizieren. Er salutierte mit der Maske des damaligen Bundespräsidenten Gauck und rief laut "Habt Acht!". Feldjäger stießen ihn von seinem kleinen Podest und führten ihn in Handschellen ab. Der Prozess wegen Hausfriedensbruch endete mit der Einstellung des Verfahrens.

Auch vor dem Justizzentrum gibt es Ärger. Ein Zivilpolizist verlangt seinen Ausweis, mokiert seine Verkleidung. Möglicherweise ein "Verstoß gegen das Vermummungsverbot" oder gar "Amtsmissbrauch" mutmaßt der Polizist. Wangerin lässt sich davon nicht beeindrucken, zeigt weiterhin seine Parole.

Dokumacher begleitete die Aktion mit der Kamera am Tag der Urteilsverkünding im NSU-Prozess. Geplant ist ein Filmportrait des engagierten Künstlers.

 

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