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Emotionen nicht erwünscht

Die Schlußszene in Werner Herzogs frühem Dokumentarfilm "Land des Schweigens und der Dunkelheit" (1971) kennt heute fast jeder Filmhochschüler: Ein taubblinder Mann umarmt einen Baum, ertastet sich die Umwelt, die er nicht mehr über Augen und Ohren wahrnehmen kann. Jörg Schmidt-Reitwein, mittlerweile 73, hat die berührende Szene gedreht. Sie kostete ihm ein Jahr später den Job an der neu gegründeten Deutschen Film- und Fernsehakademie (DFFB) in Berlin, erzählt der Kameramann auf dem 28. Internationalen Dokumentarfilmfestival (8. bis 15. Mai 2013) in München. 

In dem Film begleiten Herzog und Schmidt-Reitwein die taubblinde Fini Straubinger, die nur über das Handalphabet mit der Welt kommuniziert. Der auf 16-Millimeter gedrehte Film ist zwar längst aus dem Fokus von Jörg Schmidt-Reitwein verschwunden - immerhin hat der Kameramann bis heute mehr als 60 Filme gedreht - aber bei der Vorführung des Filmes im Rahmen einer Werner-Herzog-Retrospektive schildert Schmidt-Reitwein die Spätfolgen der Dreharbeiten.

Er hatte sich um einen Dozentenjob an der DFFB beworben. Zur Probevorlesung nahm er "Land des Schweigens und der Dunkelheit" mit nach Berlin. Doch der 85 Minuten lange Streifen mißfiel den politisierten Studenten, die in der Post-68er-Zeit noch ein Mitbestimmungsrecht bei der Berufung von Dozenten hatten. Zu viel Emotionen, zu wenig Analyse herrschender Verhältnisse, hätten die Studenten moniert, sagt Schmidt-Reitwein. Den Job hat er nicht bekommen.

Vielleicht ist das auch gut so. Viele Filme renommierter Regisseure wären ohne den an der DFFB gebundenen Kameramann Schmidt-Reitwein möglicherweise anders gedreht worden. Zum Beispiel "Woyzeck" (Herzog), "Bierkampf" (Achternbusch) oder die BR-Doku "Gesucht: Monika Ertl".

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von Gast am 30 May 2013 um 13:34
bierkampf ist kult und hart. muss ein furchtloser kameramann gewesen sein. pure emotion auf dem oktoberfest, null analyse stephan

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